Berlin, 25. September 2025 — Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil hat heute eine ambitionierte Strategie vorgestellt, mit der er die Europäische Union dazu bewegen will, stärker auf regionale Beschaffung zu setzen. Im Kern steht sein Konzept unter dem Motto „Buy European“, das grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte, Verteidigungstechnologien und Energienetze innerhalb der EU fördern soll. Reuters
In seiner Rede an der Hertie School in Berlin präsentierte Klingbeil einen Sechs-Punkte-Plan, der nicht nur Investitionen ankurbeln, sondern auch Bürokratie abbauen und die europäische Integration stärken soll. Zu den Hauptpunkten gehört eine Modernisierung des EU-Haushalts, mehr Mittel für Forschung und Entwicklung sowie gemeinsame Verteidigungsprojekte. Reuters
Besonderes Augenmerk legte er auf Schlüsselindustrien wie Halbleiter und kritische Technologien: Diese sollen bevorzugt innerhalb der EU bezogen werden, um Abhängigkeiten von außereuropäischen Lieferketten zu mindern. Zugleich plädierte Klingbeil für eine stärkere Harmonisierung von Standards und die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen, um die Mobilität von Arbeitskräften innerhalb der EU zu erleichtern. Reuters
Gleichzeitig wandte sich Klingbeil gegen nationale Alleingänge, die den Binnenmarkt fragmentieren könnten. Stattdessen solle ein stärker integriertes Europa entstehen, in dem Investitionen und Kapital dorthin fließen, wo sie den größten gemeinsamen Nutzen bringen. In puncto Handel sprach er sich für neue Abkommen mit Indien und dem Mercosur-Block aus, als Reaktion auf protektionistische Tendenzen, etwa in den USA. Reuters
Politische Beobachter bewerten Klingbeils Initiative als Teil eines größeren Plans Deutschlands, eine Führungsrolle in Europa zu übernehmen. Angesichts wachsender geopolitischer Herausforderungen und globaler Konkurrenz sei ein stärker koordiniertes, solidarisches Europa nötig.
Kritiker hingegen mahnen, dass solche Pläne nicht allein durch politische Absicht umgesetzt werden können: Die Divergenz in Wirtschaftskraft, Budgetspielräume und nationale Interessen könnten Investitionsstrategien behindern. Zudem sei Wachsamkeit nötig, damit „Buy European“ nicht zu Protektionismus auf EU-Ebene verkomme.
Insgesamt sendet Klingbeils gestern vorgestelltes Programm ein starkes Signal: Deutschland will nicht nur innenpolitisch wachsen, sondern Europa stärker zusammenbringen — vor allem im wirtschaftlichen und technologischen Bereich. Ob seine Vorschläge zu real geteilten Projekten und echten Kapitalströmen führen, hängt nun von der Zustimmung der anderen Mitgliedsstaaten ab.