Brüssel / Deutschland, 25. September 2025 — Die Europäische Kommission hat heute eine offizielle Kartelluntersuchung gegen das deutsche Softwareunternehmen SAP eingeleitet. Laut Mitteilung soll SAP möglicherweise den Wettbewerb behindert haben, insbesondere im Markt für Wartungs- und Supportdienstleistungen zu seiner Enterprise-Resource-Planning (ERP) Software. Reuters
Die Untersuchung richtet sich auf das sogenannte „Aftermarket-Geschäft“ von SAP, also auf Serviceverträge, Upgrades und Support nach dem Hauptverkauf der Software. Brüssel vermutet, dass Wettbewerber durch bestimmte Bedingungen und Vertragsklauseln benachteiligt wurden — etwa durch Einschränkungen beim Zugang zu Informationen oder durch Abhängigkeiten der Kunden von den SAP-Systemen. Reuters
Die Kommission erklärte, dass tausende Unternehmen in Europa SAP-Software nutzen und auf Support- und Wartungsdienste angewiesen seien. Sollte SAP tatsächlich den Wettbewerb verzerrt haben, könnten die Folgen erheblich sein — sowohl für Kunden als auch für Wettbewerber und Innovationen im Markt. Reuters
SAP reagierte relativ gelassen: Das Unternehmen kündigte an, mit der Kommission zusammenzuarbeiten und betonte, dass es überzeugt sei, seine Geschäftspraktiken stimmten mit den Wettbewerbsregeln überein. (Zitat von SAP: „fully in line with competition rules“.) Reuters
Brüssel betonte, dass die Untersuchung noch in einem frühen Stadium sei. Es werden weitere Informationen eingeholt, Belege geprüft und möglicherweise Anhörungen durchgeführt. Im schlimmsten Fall drohen SAP hohe Bußgelder — in der EU dürfen Geldstrafen bis zu 10 % des gesamten Jahresumsatzes verhängt werden. Reuters
Analysten und Marktbeobachter sehen die Untersuchung als wichtigen Testfall für die Regulierung großer Softwareunternehmen in Europa. Der Schritt unterstreiche den zunehmenden Druck auf Big-Tech und Softwaregiganten, fairen Wettbewerb zu gewährleisten, insbesondere wenn sie Teil der kritischen Infrastruktur vieler Unternehmen sind.
Diese Nachricht kommt in einer Zeit, in der Deutschland und die EU insgesamt versuchen, ihre technologischen Souveränität zu stärken und strategische Abhängigkeiten von großen globalen Firmen zu reduzieren. Ein stark regulierter Wettbewerb könnte Innovationen fördern und kleinen, spezialisierten Anbietern bessere Chancen eröffnen.
Abschließend: Die Einleitung der Untersuchung gegen SAP markiert einen bedeutenden Moment im europäischen Technologie- und Wettbewerbsrecht. Ob und in welchem Umfang SAP tatsächlich gegen Regeln verstoßen hat, wird sich im Verlauf des Verfahrens zeigen — doch allein die Ankündigung setzt ein Signal, dass auch große Konzerne zur Rechenschaft gezogen werden können.